Der kleine Bruder in Gefahr
Gute
gelaunt machte sich Amaalia auf den Weg zum Zimmer ihres kleinen
Bruders. Sie hatte mit Hilfe der Amme einen kleinen Bären für ihn
genäht und wollte ihm das Spielzeug bringen. Sie dachte an nichts
Böses, öffnete die Tür zu Jakobs Zimmer und war von der Szene
überrascht, die sich vor ihr in Sekundenbruchteilen abspielten.
Jakob saß auf dem Boden und schlug vergnügt seine kleine Holzrassel
auf den Boden. Seine Amme aber stand dort nahm gerade etwas von
Brigitta entgegen. Was es war konnte Amaalia nicht sehen, denn sie
ließ es blitzschnell in einer Rockfalte verschwinden. Brigitta
erschrak für einen kurzen Moment. Es war kaum zu merken, aber
Amaalia bildete sich ein, es in ihren Augen gesehen zu haben. Was
ging hier vor sich? Argwöhnisch betrat sie den Raum und versuchte
sich nichts anmerken zu lassen „Gott zum Gruße,
Brigitta“ sagte sie zuckersüß. Diese antwortete ebenso
zuckersüß „Gott zum Gruße, liebes Kind.“ „Was
führt euch zu so früher Stunde schon zu Jakob?“ Sie
versuchte, es so unbedarft wie möglich klingen zu lassen. „Oh,
ich wollte mich nur vergewissern, dass es dem Jungen gut geht und die
Amme ihren Aufgaben gewissenhaft nachkommt.“Sie warf mit ihren
grünen Augen der Amme einen kurzen Blick zu. Diese lächelte
mechanisch und knickste kurz. „Nun muss ich wieder gehen und
im Saal nach dem Rechten sehen“ Sie lächelte noch einmal kurz
Amaalia an und verschwand dann mit raschelnden Röcken durch die Tür.
Das Mädchen schaute ihr verwundert hinterher und sah dann die Amme
an. „Was wollte sie?“ „Wie die Herrin schon sagte.
Sie wollte nach dem Rechten sehen“ Amaalia war sich sicher,
dass sie log. „Was hat sie dir gegeben?“ „Das möchte
ich nicht sagen.“ Die Amme senkte den Blick, doch Amaalia
wurde allmählich ungeduldig. „Du bringst dich in große
Schwierigkeiten, wenn du mir jetzt nicht die Wahrheit sagst. Wenn du
deine Stellung behalten willst, dann sprich!“ Das Mädchen
versuchte dabei so abgeklärt wie möglich zu klingen und es schien
zu funktionieren, denn Jakobs Amme antwortete „Sie hat mir ein
paar Taler gegeben, sie meinte, ich würde es verdienen, weil ich
mich so gut um den Jungen kümmere“. Das reichte ihr als Erklärung.
Für sie klang es plausibel.
Dann schob sie die Gedanken beiseite und widmete sie sich ihrem kleinen Bruder, der schon die Ärmchen nach ihr ausstreckte.
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Wochen später. Alles wurde für das Weihnachtsfest vorbereitet. Amaalia freute sich darauf. Es war seit jeher Tradition, dass die Bauern der näheren Umgebung am ersten Weihnachtsfeiertag auf die Burg kamen und gespeist wurden. Anschließend wurde stets ein fröhliches Fest im Saal gefeiert. Im Jahr zuvor fiel das Fest wegen der Trauerzeit aus, doch nun sollte es wieder stattfinden. Ulrich von Kohlscheid wirkte zum ersten Mal seit langem weniger niedergeschlagen. Brigitta war sehr beschäftigt. Sie scheuchte Mägde und Knechte durch die Burg und stritt mit dem Koch. Das Mädchen nutzte die Gunst der Stunde, mit ihrem Vater zu sprechen. Er saß gerade in seinem Sessel am großen Kamin und blickte in die Flammen. Schüchtern trat sie näher und räusperte sich. Er schien sie nicht zu bemerken, also trat sie neben ihn und griff sanft nach seiner Hand. „Vater“ Er blickte sie an, seine Augen sahen müde aus, darin lagen Kummer, Schmerz und Sorgen. Es war, als wäre er seit Mechthilds Tod um 10 Jahre gealtert. Der Bart war nun mehr grau, als dunkel und auch die Lachfalten um seine Augen wirkten wie tiefe Kummerfalten. Amaalia tat es im Herzen weh, den geliebten Vater so zu sehen. Sie konnte nicht mehr an sich halten, obwohl sie es sich vorgenommen hatte. Schluchzend warf sie sich auf die Knie, verbarg das Gesicht im Schoß des Vaters und weinte hemmungslos. Zuerst tätschelte Ulrich hilflos die Schulter seiner Tochter, doch dann brach auch bei ihm der Damm. Ein lautes Seufzen, es klang, als würde jemand gegen das Ertrinken ankämpfen. Dann rutschte er von seinem Sessel, kniete auf dem Boden und hielt sein Kind fest im Arm. Gebeutelt von Tränen saßen sie beide so eine lange Zeit. Sie brauchten keine Worte, sie verstanden, was sie einander sagen wollten. Es war wie ein Versprechen, ein Schwur, sich nicht mehr zu vergessen, sich nicht mehr im Stich zu lassen, sich nicht mehr in Trauer zu verkriechen.
Ulrich von Kohlscheid fing sich zuerst. Er hielt das kleine Gesicht seiner Tochter in seinen großen Händen und sah sie liebevoll an und sprach ganz leise zu ihr „Verzeih mir, Lia-Kind. Ich habe große Fehler begannen. Ich werde versuchen, es wieder gut zu machen.“ Ehe Amaalia etwas erwidern konnte, drückte er sie an sich, doch nun war es kräftiger als zuvor, es hatte etwas von Zuversicht. Das Mädchen konnte sich beruhigen. Sie standen gemeinsam auf „Geh und wasch dir dein Gesicht.“ Er klang wieder beinahe so wie früher. Amaalia nickte und rang sich ein Lächeln für den Vater ab, dann lief sie mit gerafften Röcken davon und vergaß, dass Burgfräulein das eigentlich nicht tun.
Ulrich stand da, schaute seiner Jüngsten hinterher und lächelte zum ersten Mal seit Langem wieder. Doch das Lächeln wich schon bald von seinem Gesicht. Die Sorgenfalten gruben sich wieder Tief in die Haut. Das Kind hatte keine Ahnung, von welchen Fehlern er gesprochen hatte. Sie würde es früh genug erfahren, wenn es ihm nicht gelang, sie wieder gut zu machen.
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Jakob wurde krank. Es kam schleichend. Er war nicht mehr das aufgeweckte Kleinkind, sondern wirkte müde und apathisch. Seine Amme tat dies ab und meinte, er bekäme nur Zähnchen, es sei alles im Bereich des Normalen. Doch es wurde schlimmer. Der Kleine übergab sich oft, nahm an Gewicht ab und wimmerte leise, wenn er mal wach war.
Amaalia konnte das nicht mehr mit ansehen, sie bat ihre alte Amme, sich Jakobs anzunehmen und diese tat das gerne, denn sie konnte die andere Amme nicht ausstehen. „Die kennt sich doch nicht aus!“ schimpfte Martha „Statt sich um den Jungen aufopferungsvoll zu kümmern, treibt sie’s heimlich...“ dann besann sie sich, denn ihr fiel wieder ein, dass dies nichts für die Ohren ihres Zöglings war. Sie erreichten zusammen mit einer Dienstmagd Jakobs Zimmer und betraten es, ohne anzuklopfen. Das Kind lag wimmernd im Bett, seine Amme versuchte, ihm etwas Brei zu füttern, doch er weigerte sich, den Mund zu öffnen.
Die dicke Martha schob sie unsanft zur Seite und befühlte seine Stirn. Er fühlte sich warm an. Es war noch kein Fieber, aber es war spürbar, dass der kleine Körper gegen etwas ankämpfte. Sie entriss der völlig perplexen Amme das Schälchen mit dem Hirsebrei und roch daran. Sie runzelte die Stirn, langsam fing sich die jüngere Frau wieder „Was soll das? Das ist eine Frechheit“ Sie wirkte nervös und trat unruhig von einem Bein aufs andere. Martha tupfte völlig unbeirrt den kleinen Finger in den Brei und hielt ihn sich an die Zungenspitze. Ihr Gesicht verzog sich ganz langsam zu einer zornigen Fratze, dann nahm sie mit dem Löffel eine gute Portion des Breis und hielt ihn der anderen hin „Koste mal!“ Die aber ging einen Schritt zurück und hob abwehren die Arme vor sich. Martha kam ihr hinterher, den Löffel immer noch in der Hand, als wäre sie bereit, ihn der anderen in den Mund zu schieben. „Iss das du dreckige Tochter einer elendigen Hure!“ Es war nun völlig egal, wer sie hören konnte. Amaalia beobachtete die Szene fassungslos „Geh hol Vater!“ Befahl sie der Dienstmagd leise, dann fragte sie: „Was geht hier vor sich? Was ist in dem Brei?“ Martha spuckte mit den folgenden Worten vor die Füße der anderen: „Gift! Nicht genug, um gleich davon zu sterben, aber es reicht, um den kleinen Jakob langsam dahinsiechen zu lassen. Ein paar Tage länger, und er wäre tot. Wir wären alle der Meinung, er wäre schrecklich krank gewesen.“ Wütend warf sie der jungen Amme den Teller Brei ins Gesicht. Sie versuchte, sich wegzudrehen, doch es gelang ihr nicht und der Brei tropfte nun von Gesicht und Haaren hinunter auf ihr schlichtes Kleid. Amaalia trat an das Bettchen ihres Bruders und nahm ihn behutsam auf den Arm. Er war vor Erschöpfung eingeschlafen und atmete ganz flach. Sie weinte leise für ihn und drückte ihn sachte an sich. „Brigitta“ sagte sie ganz leise zu sich. Es war offensichtlich, was hier gespielt wurde.
Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Burgherr endlich in der Türe stand. Amaalia sah keinen Grund, diplomatisch zu sein, also sagte sie ihm die Wahrheit direkt ins Gesicht „Brigitta hat versucht, Jakob zu vergiften! Sie gab seiner Amme das Gift, dass sie in kleinen Dosen in sein Essen mischte. Vater, Jakob wäre beinahe gestorben!“ Sein Gesicht verfinsterte sich. Seine Augen tasteten die Amme ungläubig ab. Die stand mittlerweile heulend in einer Ecke des Raumes, den Kopf gesenkt und traute sich nicht aufzublicken. Ulrich schritt langsam auf sie zu. „Sag etwas zu deiner Verteidigung, du Abschaum!“ Die Luft vibrierte von der Lautstärke seiner tiefen Stimme. „Herr, ich... eure Gemahlin hat mich unter Druck gesetzt... Ich... ich wollte nicht, dass... Herr, bitte seid gnädig mit m...“Weiter konnte sie nicht sprechen, das versetzte ihr der Burgherr einen donnernden Schlag „Gnade?! Du wolltest meinen Sohn töten und sprichst von Gnade?! Du kannst von Gnade sprechen, wenn du diesen Tag nicht überlebst!“
Martha packte Amaalia am Arm und zog sie zur Tür. „Los Kind, wir sollten gehen. Dein Vater wird tun, was nun richtig ist.“ Das Mädchen ließ sich wie in Trance hinaus und auf ihr Zimmer führen. Der kleine Jakob schlief immer noch an ihre Brust gedrückt. Sie setzte sich auf ihr Bett und küsste sein kleines Gesicht viele Male. „Wird er es überleben, Amme?“ Sie sah Martha flehend an, als könne sie darüber entscheiden. Etwas Zweifel lag in deren Blick, doch sie versuchte zuversichtlicher zu wirken, als sie war. „Er wird, mein Kind. Ich werde gleich in die Küche gehen und etwas für ihn zubereiten, was ihm hilft, das Gift schnellstmöglich auszuscheiden.“ Der Dienstmagd bedeutete sie, die Tür von innen zu verschließen und nicht zu öffnen, bis sie wieder zurückkam. All dies war längst nicht ausgestanden und es war zu befürchten, Brigitta würde sich noch einmal daran versuchen, dem Kleinkind etwas anzutun. Die Geschehnisse hatten sich sicher längst auf der Burg herumgesprochen. Die Frau musste sicher in Panik geraten vor dem Zorn des Burgherren und war nun zu allem fähig.
Dann schob sie die Gedanken beiseite und widmete sie sich ihrem kleinen Bruder, der schon die Ärmchen nach ihr ausstreckte.
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Wochen später. Alles wurde für das Weihnachtsfest vorbereitet. Amaalia freute sich darauf. Es war seit jeher Tradition, dass die Bauern der näheren Umgebung am ersten Weihnachtsfeiertag auf die Burg kamen und gespeist wurden. Anschließend wurde stets ein fröhliches Fest im Saal gefeiert. Im Jahr zuvor fiel das Fest wegen der Trauerzeit aus, doch nun sollte es wieder stattfinden. Ulrich von Kohlscheid wirkte zum ersten Mal seit langem weniger niedergeschlagen. Brigitta war sehr beschäftigt. Sie scheuchte Mägde und Knechte durch die Burg und stritt mit dem Koch. Das Mädchen nutzte die Gunst der Stunde, mit ihrem Vater zu sprechen. Er saß gerade in seinem Sessel am großen Kamin und blickte in die Flammen. Schüchtern trat sie näher und räusperte sich. Er schien sie nicht zu bemerken, also trat sie neben ihn und griff sanft nach seiner Hand. „Vater“ Er blickte sie an, seine Augen sahen müde aus, darin lagen Kummer, Schmerz und Sorgen. Es war, als wäre er seit Mechthilds Tod um 10 Jahre gealtert. Der Bart war nun mehr grau, als dunkel und auch die Lachfalten um seine Augen wirkten wie tiefe Kummerfalten. Amaalia tat es im Herzen weh, den geliebten Vater so zu sehen. Sie konnte nicht mehr an sich halten, obwohl sie es sich vorgenommen hatte. Schluchzend warf sie sich auf die Knie, verbarg das Gesicht im Schoß des Vaters und weinte hemmungslos. Zuerst tätschelte Ulrich hilflos die Schulter seiner Tochter, doch dann brach auch bei ihm der Damm. Ein lautes Seufzen, es klang, als würde jemand gegen das Ertrinken ankämpfen. Dann rutschte er von seinem Sessel, kniete auf dem Boden und hielt sein Kind fest im Arm. Gebeutelt von Tränen saßen sie beide so eine lange Zeit. Sie brauchten keine Worte, sie verstanden, was sie einander sagen wollten. Es war wie ein Versprechen, ein Schwur, sich nicht mehr zu vergessen, sich nicht mehr im Stich zu lassen, sich nicht mehr in Trauer zu verkriechen.
Ulrich von Kohlscheid fing sich zuerst. Er hielt das kleine Gesicht seiner Tochter in seinen großen Händen und sah sie liebevoll an und sprach ganz leise zu ihr „Verzeih mir, Lia-Kind. Ich habe große Fehler begannen. Ich werde versuchen, es wieder gut zu machen.“ Ehe Amaalia etwas erwidern konnte, drückte er sie an sich, doch nun war es kräftiger als zuvor, es hatte etwas von Zuversicht. Das Mädchen konnte sich beruhigen. Sie standen gemeinsam auf „Geh und wasch dir dein Gesicht.“ Er klang wieder beinahe so wie früher. Amaalia nickte und rang sich ein Lächeln für den Vater ab, dann lief sie mit gerafften Röcken davon und vergaß, dass Burgfräulein das eigentlich nicht tun.
Ulrich stand da, schaute seiner Jüngsten hinterher und lächelte zum ersten Mal seit Langem wieder. Doch das Lächeln wich schon bald von seinem Gesicht. Die Sorgenfalten gruben sich wieder Tief in die Haut. Das Kind hatte keine Ahnung, von welchen Fehlern er gesprochen hatte. Sie würde es früh genug erfahren, wenn es ihm nicht gelang, sie wieder gut zu machen.
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Amaalia konnte das nicht mehr mit ansehen, sie bat ihre alte Amme, sich Jakobs anzunehmen und diese tat das gerne, denn sie konnte die andere Amme nicht ausstehen. „Die kennt sich doch nicht aus!“ schimpfte Martha „Statt sich um den Jungen aufopferungsvoll zu kümmern, treibt sie’s heimlich...“ dann besann sie sich, denn ihr fiel wieder ein, dass dies nichts für die Ohren ihres Zöglings war. Sie erreichten zusammen mit einer Dienstmagd Jakobs Zimmer und betraten es, ohne anzuklopfen. Das Kind lag wimmernd im Bett, seine Amme versuchte, ihm etwas Brei zu füttern, doch er weigerte sich, den Mund zu öffnen.
Die dicke Martha schob sie unsanft zur Seite und befühlte seine Stirn. Er fühlte sich warm an. Es war noch kein Fieber, aber es war spürbar, dass der kleine Körper gegen etwas ankämpfte. Sie entriss der völlig perplexen Amme das Schälchen mit dem Hirsebrei und roch daran. Sie runzelte die Stirn, langsam fing sich die jüngere Frau wieder „Was soll das? Das ist eine Frechheit“ Sie wirkte nervös und trat unruhig von einem Bein aufs andere. Martha tupfte völlig unbeirrt den kleinen Finger in den Brei und hielt ihn sich an die Zungenspitze. Ihr Gesicht verzog sich ganz langsam zu einer zornigen Fratze, dann nahm sie mit dem Löffel eine gute Portion des Breis und hielt ihn der anderen hin „Koste mal!“ Die aber ging einen Schritt zurück und hob abwehren die Arme vor sich. Martha kam ihr hinterher, den Löffel immer noch in der Hand, als wäre sie bereit, ihn der anderen in den Mund zu schieben. „Iss das du dreckige Tochter einer elendigen Hure!“ Es war nun völlig egal, wer sie hören konnte. Amaalia beobachtete die Szene fassungslos „Geh hol Vater!“ Befahl sie der Dienstmagd leise, dann fragte sie: „Was geht hier vor sich? Was ist in dem Brei?“ Martha spuckte mit den folgenden Worten vor die Füße der anderen: „Gift! Nicht genug, um gleich davon zu sterben, aber es reicht, um den kleinen Jakob langsam dahinsiechen zu lassen. Ein paar Tage länger, und er wäre tot. Wir wären alle der Meinung, er wäre schrecklich krank gewesen.“ Wütend warf sie der jungen Amme den Teller Brei ins Gesicht. Sie versuchte, sich wegzudrehen, doch es gelang ihr nicht und der Brei tropfte nun von Gesicht und Haaren hinunter auf ihr schlichtes Kleid. Amaalia trat an das Bettchen ihres Bruders und nahm ihn behutsam auf den Arm. Er war vor Erschöpfung eingeschlafen und atmete ganz flach. Sie weinte leise für ihn und drückte ihn sachte an sich. „Brigitta“ sagte sie ganz leise zu sich. Es war offensichtlich, was hier gespielt wurde.
Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Burgherr endlich in der Türe stand. Amaalia sah keinen Grund, diplomatisch zu sein, also sagte sie ihm die Wahrheit direkt ins Gesicht „Brigitta hat versucht, Jakob zu vergiften! Sie gab seiner Amme das Gift, dass sie in kleinen Dosen in sein Essen mischte. Vater, Jakob wäre beinahe gestorben!“ Sein Gesicht verfinsterte sich. Seine Augen tasteten die Amme ungläubig ab. Die stand mittlerweile heulend in einer Ecke des Raumes, den Kopf gesenkt und traute sich nicht aufzublicken. Ulrich schritt langsam auf sie zu. „Sag etwas zu deiner Verteidigung, du Abschaum!“ Die Luft vibrierte von der Lautstärke seiner tiefen Stimme. „Herr, ich... eure Gemahlin hat mich unter Druck gesetzt... Ich... ich wollte nicht, dass... Herr, bitte seid gnädig mit m...“Weiter konnte sie nicht sprechen, das versetzte ihr der Burgherr einen donnernden Schlag „Gnade?! Du wolltest meinen Sohn töten und sprichst von Gnade?! Du kannst von Gnade sprechen, wenn du diesen Tag nicht überlebst!“
Martha packte Amaalia am Arm und zog sie zur Tür. „Los Kind, wir sollten gehen. Dein Vater wird tun, was nun richtig ist.“ Das Mädchen ließ sich wie in Trance hinaus und auf ihr Zimmer führen. Der kleine Jakob schlief immer noch an ihre Brust gedrückt. Sie setzte sich auf ihr Bett und küsste sein kleines Gesicht viele Male. „Wird er es überleben, Amme?“ Sie sah Martha flehend an, als könne sie darüber entscheiden. Etwas Zweifel lag in deren Blick, doch sie versuchte zuversichtlicher zu wirken, als sie war. „Er wird, mein Kind. Ich werde gleich in die Küche gehen und etwas für ihn zubereiten, was ihm hilft, das Gift schnellstmöglich auszuscheiden.“ Der Dienstmagd bedeutete sie, die Tür von innen zu verschließen und nicht zu öffnen, bis sie wieder zurückkam. All dies war längst nicht ausgestanden und es war zu befürchten, Brigitta würde sich noch einmal daran versuchen, dem Kleinkind etwas anzutun. Die Geschehnisse hatten sich sicher längst auf der Burg herumgesprochen. Die Frau musste sicher in Panik geraten vor dem Zorn des Burgherren und war nun zu allem fähig.