Zuflucht im Kloster
Sie
wusste nicht wohin. Eines wusste sie aber: Sie musste weg. So weit
wie möglich. So schnell wie möglich. Einfach nur so viele Meilen
wie möglich zwischen sich und dem toten Grafen bringen. Wie viel
Zeit würde sie haben, ehe seine Scherge ihre Spur aufnehmen konnten?
Wo sollte sie hin? Wo war sie überhaupt? Sie irrte völlig
orientierungslos durch die Gegend, gab dem Pferd kaum Gelegenheit, zu
rasten. Sie selbst war hellwach. Sie hatte einen Menschen getötet,
ihm zugesehen, wie er seine letzten Atemzüge tat. Es war der
Überlebenswille, der sie dazu befähigte, mit ihren dreizehn Jahren.
Ein Instinkt, so alt wie die Menschheit. Sie tat es mit ihren eigenen
Händen und sie wusste, es war notwendig, denn nur deshalb lebte sie
selbst noch. Aber wie lange?
Nach vielen Stunden erreichte sie eine Waldlichtung. Das Pferd weigerte sich, weiter zu reiten. Es war erschöpft. Der Schaum tropfte ihm vom Maul. Auch Amaalia spürte nun die Anstrengung der letzten zwei Tage. Sie musste sich ausruhen und dem Pferd die Möglichkeit geben, zu grasen und zu trinken, ansonsten würde sie nicht mehr sehr weit mit ihm kommen.
Als der Morgen graute zog sie weiter. Sie hatte kaum geschlafen, war nur hin und wieder eingenickt. Doch das Pferd war ausgeruht und so konnte es wieder weitergehen. Als die Sonne am höchsten stand, erreichte sie schließlich ein Kloster. Sie konnte ihr Glück kaum fassen und weinte leise, als sie näher kam. Es galt zu hoffen, dass sie sie einließen und ihr helfen würden. Sie stieg vom Pferd und klopfte kraftlos an die Pforte. Ein kleines Guckfenster in der schweren Türe wurde geöffnet und zwei gütige Augen blickten sie an.“Gott zum Gruße. Was begehrt ihr?” Sie nahm ihre letzte Kraft zusammen und sprach “Gott zum Gruße, ehrwürdige Schwester. Ich bitte um Einlass und um Hilfe.” beim letzten Wort wurde ihr schwarz vor Augen, alles drehte sich, sie sah den Boden auf sich zukommen, danach war Dunkelheit.
Sie erwachte und lag in einem schmalen Bett. Sie trug ein schlichtes, braunes Kleid aus grobem Leinen. Neben sich saß auf einem Stuhl eine betende Nonne. Sie setzte sich mühsam auf und die Nonne wurde auf sie aufmerksam.”Wo...?” “Ihr seid in Sicherheit.” Sie lächelte gütig und das Mädchen fasste sofort Vertrauen. Ihr fiel wieder ein, dass sie an die Klosterpforte geklopft hatte. Wo, wenn nicht hier, wäre sie nun sicher?
Nachdem sie ein karges Frühstück bekommen hatte, wurde sie zur Äbtissin gebracht. Die alte Frau saß an einem schlichten aber schweren Schreibtisch und erwartete sie offenbar. Sie deutete ihr, sich ihr gegenüber zu setzen. „Du musst schreckliches durchgemacht haben, Amaalia Henrietta von Kohlscheid. So ist doch dein Name?“ Amaalia sah sie mit großen Augen an. „Wie.. woher...?“ Sie reichte ihr das kleine Büchlein, in der ihr Name stand. Sie trug es die ganze Zeit in einem kleinen Beutel bei sich. Jetzt erst fiel ihr auf, dass der fehlte. Natürlich, die Nonnen hatte sie ausgezogen, sie vom Blut gereinigt und ihr neue Kleider angezogen. So fanden sie auch das Buch und die Äbtissin wusste, wer vor ihr saß. Sie senkte den Blick, starrte auf ihre Hände und wusste nicht, was sie sagen soll. Die Frau bemerkte ihre Unsicherheit und sprach ruhig „Wir sind hier zwar weit abgelegen in unserem Kloster, dennoch erreichten uns die Reiter, die nach dir suchen.“ Amaalia sah die Nonne mit weit aufgerissenen Augen an und schüttelte langsam den Kopf. Das Unglück riss nicht ab. „Hab keine Angst. Ich kenne Graf von Falkenhorst sehr gut. Das heisst... ich kannte ihn...“ Sie bedachte Amaalia mit einem strengen Blick und fuhr dann fort „Ich nehme an, ein Mädchen in deinem Alter tötet einen Mann nicht einfach so.“ Amaalia nickte „Ich nehme auch an, ein Mädchen deines Standes hat sich nicht aus freien Stücken in eine Lage gebracht, in der sie töten musste“Amaalia nickte wieder. Die Äbtissin musterte sie eine Weile, dann sagte sie „Ich kenne Bischof Berthram von Munden und werde ihm einen Brief schicken. Es wird lange brauchen, bis der Bote ihn erreicht, denn er befindet sich in Florenz. Wenn er geantwortet hat, werden wir weiter sehen. Bis dahin steht es dir frei, zu gehen, oder bei uns zu bleiben. Bleibst du im Kloster, so musst du dich an unsere Regeln halten. Du nimmst an den Gebeten Teil, darfst die Bücher zum Studium nutzen und verbringst die meiste Zeit mit Meditation.“Sie sah nicht aus, als würde sie Widerspruch erwarten oder dulden. Amaalia hatte ohnehin keine andere Wahl. Sie würde ausharren, hoffen, dass Pater Berthram ihr zu Hilfe kam. Was sagte die Äbtissin? Er war Bischof? Das kam völlig unerwartet, doch bedeutete es, sie hatte einen sehr mächtigen verbündeten. Eine Nonne brachte sie hinaus und der Alltag im Kloster begann.
Nach vielen Stunden erreichte sie eine Waldlichtung. Das Pferd weigerte sich, weiter zu reiten. Es war erschöpft. Der Schaum tropfte ihm vom Maul. Auch Amaalia spürte nun die Anstrengung der letzten zwei Tage. Sie musste sich ausruhen und dem Pferd die Möglichkeit geben, zu grasen und zu trinken, ansonsten würde sie nicht mehr sehr weit mit ihm kommen.
Als der Morgen graute zog sie weiter. Sie hatte kaum geschlafen, war nur hin und wieder eingenickt. Doch das Pferd war ausgeruht und so konnte es wieder weitergehen. Als die Sonne am höchsten stand, erreichte sie schließlich ein Kloster. Sie konnte ihr Glück kaum fassen und weinte leise, als sie näher kam. Es galt zu hoffen, dass sie sie einließen und ihr helfen würden. Sie stieg vom Pferd und klopfte kraftlos an die Pforte. Ein kleines Guckfenster in der schweren Türe wurde geöffnet und zwei gütige Augen blickten sie an.“Gott zum Gruße. Was begehrt ihr?” Sie nahm ihre letzte Kraft zusammen und sprach “Gott zum Gruße, ehrwürdige Schwester. Ich bitte um Einlass und um Hilfe.” beim letzten Wort wurde ihr schwarz vor Augen, alles drehte sich, sie sah den Boden auf sich zukommen, danach war Dunkelheit.
Sie erwachte und lag in einem schmalen Bett. Sie trug ein schlichtes, braunes Kleid aus grobem Leinen. Neben sich saß auf einem Stuhl eine betende Nonne. Sie setzte sich mühsam auf und die Nonne wurde auf sie aufmerksam.”Wo...?” “Ihr seid in Sicherheit.” Sie lächelte gütig und das Mädchen fasste sofort Vertrauen. Ihr fiel wieder ein, dass sie an die Klosterpforte geklopft hatte. Wo, wenn nicht hier, wäre sie nun sicher?
Nachdem sie ein karges Frühstück bekommen hatte, wurde sie zur Äbtissin gebracht. Die alte Frau saß an einem schlichten aber schweren Schreibtisch und erwartete sie offenbar. Sie deutete ihr, sich ihr gegenüber zu setzen. „Du musst schreckliches durchgemacht haben, Amaalia Henrietta von Kohlscheid. So ist doch dein Name?“ Amaalia sah sie mit großen Augen an. „Wie.. woher...?“ Sie reichte ihr das kleine Büchlein, in der ihr Name stand. Sie trug es die ganze Zeit in einem kleinen Beutel bei sich. Jetzt erst fiel ihr auf, dass der fehlte. Natürlich, die Nonnen hatte sie ausgezogen, sie vom Blut gereinigt und ihr neue Kleider angezogen. So fanden sie auch das Buch und die Äbtissin wusste, wer vor ihr saß. Sie senkte den Blick, starrte auf ihre Hände und wusste nicht, was sie sagen soll. Die Frau bemerkte ihre Unsicherheit und sprach ruhig „Wir sind hier zwar weit abgelegen in unserem Kloster, dennoch erreichten uns die Reiter, die nach dir suchen.“ Amaalia sah die Nonne mit weit aufgerissenen Augen an und schüttelte langsam den Kopf. Das Unglück riss nicht ab. „Hab keine Angst. Ich kenne Graf von Falkenhorst sehr gut. Das heisst... ich kannte ihn...“ Sie bedachte Amaalia mit einem strengen Blick und fuhr dann fort „Ich nehme an, ein Mädchen in deinem Alter tötet einen Mann nicht einfach so.“ Amaalia nickte „Ich nehme auch an, ein Mädchen deines Standes hat sich nicht aus freien Stücken in eine Lage gebracht, in der sie töten musste“Amaalia nickte wieder. Die Äbtissin musterte sie eine Weile, dann sagte sie „Ich kenne Bischof Berthram von Munden und werde ihm einen Brief schicken. Es wird lange brauchen, bis der Bote ihn erreicht, denn er befindet sich in Florenz. Wenn er geantwortet hat, werden wir weiter sehen. Bis dahin steht es dir frei, zu gehen, oder bei uns zu bleiben. Bleibst du im Kloster, so musst du dich an unsere Regeln halten. Du nimmst an den Gebeten Teil, darfst die Bücher zum Studium nutzen und verbringst die meiste Zeit mit Meditation.“Sie sah nicht aus, als würde sie Widerspruch erwarten oder dulden. Amaalia hatte ohnehin keine andere Wahl. Sie würde ausharren, hoffen, dass Pater Berthram ihr zu Hilfe kam. Was sagte die Äbtissin? Er war Bischof? Das kam völlig unerwartet, doch bedeutete es, sie hatte einen sehr mächtigen verbündeten. Eine Nonne brachte sie hinaus und der Alltag im Kloster begann.